Zen ist im Kern eine persönliche Erfahrung, die gerade hier und jetzt geschieht. Das ist ein grosses Mysterium. Wir versuchen also, unsere Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu lenken, und beobachten, dass sie vorbeizieht. Es passiert.
Das, was du dabei erlebst, ist niemals dasselbe wie das, was ich gerade erfahre. Wenn wir versuchen, diese persönliche, unmittelbare Erfahrung in Worte zu fassen, hinken wir ihr hinterher; wir bilden Sätze, die das Erlebte im Nachhinein beschreiben. Das hat bestimmt einen Wert, ist aber nicht das eigentliche Zen.
Zen-Übende versuchen deshalb manchmal, ihre Mitübenden mit Gesten statt mit Worten zu inspirieren. Es gibt viele Geschichten darüber: Jemand erhebt lediglich einen Finger oder tritt dem Gegenüber einfach in den Hintern. Es ist der Versuch, einen Freund in diese unmittelbare Gegenwart hineinzuschubsen und so das Erwachen zu provozieren.
Das Praktizieren und Experimentieren sowie das damit einhergehende Denken, das vermeintliche Zweifeln und Scheitern verstehe ich im Zen jedoch nicht als Weg zu einem Ziel, sondern selbst als Ausdruck des Zen und unserer Buddhanatur. Erleuchtung ist, als würden wir vom Blitz getroffen. Persönlich können wir nicht viel dafür. Sie findet statt, sobald wir uns daran erinnern, dass wir Zen-Übende sind. Immer wieder. Und unsere Aufgabe besteht darin, dies zu vergessen.
Nachdem der Blitz eingeschlagen hat, sollten wir nichts mehr tun, was mit Zen zu tun hat. Zen zu praktizieren ist im Grunde ein erbärmlicher Versuch, darum zu betteln, dass der Blitz wieder einschlagen möge. Wir versuchen also, Erleuchtung zu provozieren oder herbeizuführen. Das ist vollkommen verrückt. Und doch scheint uns nichts Besseres in den Sinn zu kommen als genau dies. Deshalb sind alle Zen-Praktizierenden wirklich verrückt.
Zen kann nicht praktiziert werden. Wahres Zen ist die Nichtpraxis. Sie ist ein Ausdruck für etwas, das an uns vorbeizieht. Wir wissen das und praktizieren trotzdem.