Nichts zählt mehr

Zen zu praktizieren bedeutet, an die eigene Beerdigung zu gehen. Wie sollen wir den Anfängergeist berühren, ohne vorher zu sterben?

Doch wir möchten das nicht. Wir halten an allem fest. Um in den Sarg zu fallen, müssen wir uns deshalb selbst zum Stolpern bringen. Dazu stellen wir uns unentwegt Fallen. So gestalten wir unseren Pfad. Es gibt keinen Weg, der auf uns wartet oder für uns da ist.

Wenn wir Glück haben, treten wir dann ins Leere. Im freien Fall verliert alles seine Relevanz: unsere Ansichten, Anhaftungen, Aversionen, Ängste, Ideen und Erinnerungen. Die Leerheit wird im Sanskrit als śūnyatā bezeichnet. Śūnya steht für «leer» und bedeutet auch «Null». Nichts zählt mehr.

Gehmeditation hat also eine tiefere Bedeutung, als lediglich den einen Fuss vor den anderen zu setzen. Angemessenes Bemühen, einer der acht Aspekte des Edlen Achtfachen Pfades, kann in der Sprache des Zen bedeuten, mit jedem Schritt ins Leere zu treten und sich der Leerheit hinzugeben.

Dabei sollten wir uns selbst hinters Licht führen, denn dieses Ich hat uns vollkommen im Griff: Ich. Ich bin. Ich bin so. Ich will dieses. Ich hasse jenes. Doch das Selbst kann sich nicht selbst überlisten. Das «Nichts» von śūnyatā müssen wir als das verstehen, was es wirklich ist: Nicht’s – nicht es. Śūnyatā ist nicht die Abwesenheit jeglicher Existenz, sondern das Leersein aller Phänomene von einem festen, unabhängigen Eigenwesen. Ein Glas ist leer von Wasser und dadurch voll von Luft. Wenn jenes tot ist, lebt dieses. Doch wir können uns das Transzendieren der Dualität nicht herbeivernünfteln. Man sollte nicht zu lange über diese Dinge sprechen.

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